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26. September 2021

(Hamburg / Berlin) Der noroomgalerist trägt während des "Kultursommers" die "Asphalt-Fashion“ der Modekünstlerin Gloria Brillowska (txm))

24. September 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

Versicherungswerbung für die „Sterbevorsorge Komfort mit Flex-Option“
(Heute ist schlecht) (xx)

16. September 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

(Berlin)
Mit meiner schwer an Demenz erkrankten Schwester im Restaurant. Sie steht manchmal unvermittelt auf und läuft herum. Sie spricht schon lange nicht mehr mit mir, sondern zu einer Puppe, die offenbar aus den Tiefen der Kindheit zu ihr fand. Sie kann nicht mehr mit Messer und Gabel essen, also füttere ich sie. Sie isst gerne. Sie reagiert positiv auf Geruch und Geschmack. Und auf meine Anwesenheit, auch wenn sie nicht mehr weiß, dass ich ihr Bruder bin. Sie ist meist ganz ruhig in einer Welt, die sie maßlos überfordern muss. Eine Frau kommt zu uns an den Tisch, um mitzuteilen, dass wir ihren Hochzeitstag ruiniert haben. Auf den sie sich so gefreut habe. Sie ist ganz außer sich, dass wir nicht in unseren „privaten Räumen“ geblieben sind, wo wir niemanden durch unseren Anblick „stören“. Das müsse doch nicht sein. Wir seien doch nicht alleine auf der Welt. Ich bin müde und sage ihr, ich sei froh, dass ihr Auftritt meine Schwester nicht erreiche. Tatsächlich habe ich Angst, dass sie die vergiftete Stimmung eben doch spürt. (dl)

13. September 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

(Berlin)
Es ist soweit: Ich habe mir nicht nur überlegt, wieder im Büro zu arbeiten, sondern tue es tatsächlich. Letzte Woche gab es einen Umtrunk der Firma im Park, da habe ich noch allen erzählt, dass ich schon gar nicht mehr darüber nachdenke, wieder vom Büro aus zu arbeiten. Ein paar Tage später packte mich aber die seltsame Vorahnung, dass ich, wenn ich es nicht bald doch tue, es vielleicht nie wieder schaffe, sondern wenn es mal soweit ist, Panikattacken oder noch ganz andere Macken bekomme.

Bei uns muss man sich, wenn man denn kommen will, in eine Excel-Tabelle für den jeweiligen Tag für einen ganz bestimmten Tisch eintragen, so ähnlich wie bei der Sitzplatzreservierung bei der Bahn. Letzte Woche war für heute noch so viel frei, dass ich mich gar nicht entscheiden konnte, wo der beste Platz für mich ist. Gestern abend war die Liste bis auf einen Platz komplett voll und meine Entscheidung wurde mir abgenommen.

Ich habe nur so halb gut geschlafen und auch daran gedacht, ob es nötig ist, einen Test zu machen. Heute morgen habe ich mir einen Salat in eine Tupperdose geschnippelt, denn die Kantine, die wir immer benutzen konnten, hat mittlerweile dicht gemacht und wird nicht mehr aufmachen. Rechner, Mouse, Ladekabel zusammen mit einem Pullover und Jäckchen – bei uns ist es oft recht kalt – in den Rucksack gestopft und los mit dem Fahrrad.

Ich hatte der Büroassistenz am Morgen noch schnell geschrieben und sie antwortete mir, dass man nicht offiziell einen Test braucht, dass man aber einen Schnelltest am Eingang machen kann. Also eher ein Gebot, an das ich mich besser halte. Ich halte auf dem Weg an einem Covid-Pavillon auf dem Bürgersteig und mache den lieber gleich dort, denn ich habe noch nie einen Schnelltest selber gemacht. Bis ich vor dem Büro angekommen bin, ist das Ergebnis da: negativ, puh. Ein Test ist jedes Mal ein bisschen Stress für mich.

Meine Einlasskarte funktioniert nicht mehr; zum Glück nimmt mich eine Kollegin mit rein. Drinnen bekomme ich eine neue Karte. Mein Tisch ist hinter einem kleinen Regal, das glaube ich noch nicht da war, als ich das letzte Mal hier gearbeitet habe, also vor über zwei Jahren. Ich stelle meinen mitgebrachten Kram auf und das WLAN läuft sofort. Ein Monitor steht auch hier, zuhause bin ich immer zu faul, den anzuschließen. Ich überlege mir, wo ich hingehe, wenn wir Konferenz haben und entscheide mich für eine Telefonkabine. Ich frage sicherheitshalber nochmal nach und meine Entscheidung war richtig. Ich muss mich auch dafür eintragen, damit niemand anderes diese Kabine mehr benutzt. Ich hoffe, dass sie niemand mal kurz zwischendurch benutzt hat, ohne sich einzutragen. Und halte gleichzeitig diese Befürchtung für etwas übertrieben. Ich konnte die Kabine nicht richtig beobachten, weil sie hinter einer Säule liegt, aber ich denke, es war mindestens eine Stunde vorher niemand drin. Es wird ein Investitionsantrag gestellt, damit ich ein Headset bekomme, dann kann ich auch im Großraumbüro bleiben zum konferieren.

Ich gehe den Stapel Ankündigungspost durch und beschließe alles, auf dem 2020 steht, sofort wegzuschmeißen. Ich suche mir Tische für morgen und Montag aus und reserviere sie.
(pp)

2. September 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

Sprachnachricht vom 2. September 2021 um 19:00 
«Ich hasse ja Sprachnachrichten eigentlich, aber ich muss es jetzt einfach rausbrüllen. Ich bin zu Françoise gefahren. Ich gehe den Berg hoch und laufe prompt in ein Kamerateam, die natürlich am Grab von Rio Reiser rumfilmen und irgendwas über ein Pärchen im mittleren Alter machen.
«Ja und die Gebrüder Grimm, die liegen doch hier auch irgendwo?» sagt jemand von denen.
Ich denke mir: Scheiß auf die, ihr müsst Françoise filmen, sage aber nichts, gehe weiter zum Grab und beobachte sie. Dann kommen sie hoch und die Producerin sagt: «So, jetzt gehen wir hoch und links» und ich denke mir: Jaja, jetzt kommen sie zum wichtigen Teil.
Es schaut dann aber doch nicht so aus und ich rufe ihnen zu: «Hallo, hier liegt Françoise Cactus, die müsst ihr filmen!»
«Ach ja, was, Françoise?»
Die Portraitierte und der Typ kommen her und sie so: «Oh, yeah, she was a funny one.»
Ich dann nochmal zur Producerin: «Hallo, hier das Grab von Françoise!»
«Ach ja, echt, jaja, es müsste so ein halbes Jahr her sein.»
«Ja, die müsst ihr filmen.»
«Hmm, hmm …» und sie winkt ab, die blöde Kuh. Ich kotze!
Ich hab sie gefragt, was sie überhaupt filmen.
«Wir portraitieren ja diese beiden Bartender.»
«Für arte?»
«Nee, nee, für ‘ne App.»
Ich hab aber schon gemerkt, dass sie nichts erzählen will und hatte auch keinen Bock drauf. Es macht mich nur aggressiv, weil Françoise bestimmt Tausende von Euro in deren scheiß Bars versenkt hat und jetzt nichtmal in diesem blöden Feature vorkommt. Aber wer weiß, es ist vielleicht besser so. Alright, ich beende meine Rants hier. Bis später, ciao!»

Sprachnachricht vom 2. September um 19.01
«Ich stelle mir gerade vor, wie sich Françoise mit diesen beiden Trantüten vor zehn oder zwanzig Jahren in einer Bar mal angelegt hat und sie zum Teufel geschickt hat. [Lachen] Ciao!»
(pp)

30. August 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

Oberpräsident*in (fn)

28. August 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

(Berlin)
Nachdem ich «Hard-boiled Hard Luck», «Erinnerungen aus der Sackgasse», «Lebensgeister», «Sly»,  «Kitchen», «Eidechse», «N•P»,«Der See» und «Federkleid» gelesen hatte und gerade dabei war «Ihre Nacht» zu lesen, erschien mir Banana Yoshimoto diese Woche nun im Traum.
Ich hatte eines ihrer Merchandising-Amulette gekauft und sie sagte zu mir: «Hör auf damit – es reicht jetzt!»
Ich tat wie befohlen und werde den Rest ungelesen zurückgeben.
Ich lese jetzt «Nachsommer» von Adalbert Stifter. Das Buch wurde mir vor einiger Zeit schon als Midlife-Crisis-Roman empfohlen.
(pp)

25. August 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

Vielleicht sollte ich mir einen weiteren Nebenjob suchen.
Vielleicht sollte ich nicht eine Woche krank sein um kein Geld in der Kita zu verdienen.
Vielleicht sollte ich mich nicht ausruhen, weil ich meine Regel habe.
Vielleicht sollte ich nicht diesen heutigen Vormittag dazu genutzt haben um
Aufzuräumen
Zu saugen
Zu spülen obwohl M gesagt hat, mach das alles nicht, bitte
Zu merken, dass ich es manchmal aber trotzdem machen will
Zu merken, dass saugen mich verrückt macht (laut, nervig)
Zu überlegen ob das besser wäre, es M machen zu lassen
Zu überlegen ob man nicht auch einfach mal zu Hause sein darf
Zu überlegen ob es ok ist, auf keinen Fall eine Putzkraft haben zu wollen
Zu überlegen ob das ein Arbeiterklassending ist
Bei ebay Kleinanzeigen nach grünen Schnürschuhen für L zu suchen
Bei ebay Kleinanzeigen nach Herbstschuhen zu suchen
Bei ebay Kleinanzeigen nach Gummistiefeln zu suchen
Zu sitzen und einen Fencheltee zu trinken und kurz die Rückenschmerzen spüren
Wäsche zu waschen
Ls Sneakers doch wegzuschmeißen
Radio zu hören wegen Charlie Watts (Tod)
Meine Finanzen zu checken
Zu überlegen, wie ich das Festival am Wochenende fotografiere
Zu überlegen, wie ich das finde am Wochenende auf ein Festival zu fahren, weil es regnen wird
H schreiben wegen des offenen Briefes an die Bundesregierung, wegen Afghanistan
Kitakolleginnen einzuladen zu Hayatos Tisch (Planten un Bloomen, bald)
Zu überlegen, was für eine Art Nebenjob ich machen könnte neben Kunst, Schreiben, Lehrauftrag, Kitajob und Leben
L zum Balettprobetraining anmelden, wo er heute unbedingt hinwill
Ls Sachen aus der Wohnung in sein Zimmer zu bringen und das nicht aufräumen
Zu überlegen wie diese lange Reise nächstes Jahr wohl wird
Zu überlegen ob wir doch noch die Maus haben, weil Köttel gesehen
Zu überlegen, was ich esse
Zu überlegen, ob wir L nächstes Jahr einen neuen oder gebrauchten Schulranzen kaufen
Zu überlegen, was Risiko ist und was Notwendigkeit
Zu überlegen, was ich mit den Bildern von der IAA mache
Zu überlegen, ob das einfacher wäre, wenn ich Budget für diese Bilder hätte (ja)
Zu fühlen, was es für ein großes Glück ist, L jeden Tag zu sehen, zu SEHEN
Zu fragen, warum es meiner Mama so schwer fällt mich zu SEHEN
Zu überlegen, wen ich im September wähle
Zu überlegen, ob ich Aktivistin sein sollte, wegen Afghanistan und Klimawandel
Zu überlegen, ob nicht Enissa Amani die korrekte Bundeskanzlerin wäre
Zu überlegen, ob ich jetzt für die Lesung im September übe
Zu überlegen, ob ich jetzt Perecs „Träume von Räumen“ lese
Zu überlegen ob das schon jetzt meine Kunst ist
Zu überlegen ob das Biografische, das IMMER in der Kunst steckt, verdeckt werden sollte
Zu überlegen ob das die Künstler*innen schützt
Zu überlegen vor wem man sich überhaupt schützen muss
(js)

17. August 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

(Dänemark)
In Dk gibt es keine Maskenpflicht, aber alle Hunde werden hier an der Leine geführt, auch im Wasser. Die Leinen sind viele Meter lang: Frau steht mit angeleintem Hund im tiefen Wasser. Hund schwimmt richtung Land erreicht den Strand aber nicht, weil die Leine nun doch zu kurz ist. Hund schwimmt an der gespannten Leine auf der Stelle, während die Frau das Abendlicht überm Meer bewundert. (nor)

15. August 2021

Rahel Bruns, Wagentourette

11. August 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

(Zürich)
Beim Aufwachen kurze Irritation: Bunte Farben, Spielzeug, Kuscheltiere. Die kleine L. schläft bei den Eltern und hat mir freundlicherweise ihr Bett überlassen. Wir sind in Zürich, wo gestern R.s letzter Kindergeburtstag war und die Feier im Park wie üblich in ein Grillfest der Kulturschaffenden überging. Das Gespräch bei sehr dunklen Würstchen und Schaumwein ging unter Anderem um Faszination und Schrecken der Luftfahrt. Jetzt ist früher Morgen, alle schlafen noch, nur ich liege wach, etwas dehydriert und mit leichtem Druck im Kopf. Ich trinke reichlich Wasser, dusche, räume die Kuscheltiere mit ihren toten Augen beiseite und lege mich wieder hin. Nach einer Weile Dösen denke ich schade, das wird nichts mehr, ich sollte besser aufstehen. Aber dann sehe ich den Schlaf, er ist schon ganz nah. Im Sinkflug geht es in die Wolken, das Kopfweh ist weg, um mich nur noch flauschiges Weiß.
Mittags wollen die frischgebackenen Teenager (N. ist auch kürzlich 13 geworden) Muffins backen. Dazu heizen sie den Ofen auf Maximaltemperatur vor und rühren »nach Gefühl« wahllos Zutaten zu einer klumpigen, sehr flüssigen Pampe, die in Förmchen gegossen und gebacken wird, ebenfalls nach Gefühl. Das Ergebnis ist perfekt, innen wunderbar locker und außen mit einer leicht karamellisierten Kruste, in den Varianten »Schoko« und »Pizza«. N. verrät mir das Geheimnis dieses Erfolgs: Sehr wenig Mehl, dafür mehrere Päckchen Backpulver. (ow)

 

3. August 2021 Nachrichten aus dem laufenden Betrieb

(Klintholm)
Der stolze Besitzer einer sehr großen Motoryacht lärmt im Hafen mit seinem Statussymbol herum. Geräuschvoll öffnet sich langsam die Heckklappe zu einer Art Garage für ein kleineres Motorboot, das nun aus dem Bauch oder besser Arsch des Mutterschiffs, auf krachenden und knarrenden Rollen, herausbefördert wird, begleitet von hochtourigem Sirren und Brummen der Elektronik. Nach 20 minütiger Ausfahrt, wird das Beiboot mit eben solchem langwierigen Getöse wieder dem großen Schiff einverleibt. Das große Schiff heißt: Sea Whisperer. (nor)

15. April 2021

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