Ott, Michaela +


A – Affizierung

Stimmungsatlas Bd. 18


Immer häufiger zeigen Arthouse-Spielstätten Filme aus sogenannten peripheren Ländern, die eigentlich keiner sehen will, da sie in ihrer Dramaturgie zu schlicht und in ihrer Aussage zu düster sind. Für popcornhungrige Unterhaltungsverschlinger sind sie ein Horror. Sie bedienen weder die an visuelle und auditive Spitzenwerte gewöhnte Schau- und Hörlust des Publikums noch finden sich in ihnen atemberaubende Spezialeffekte.

Was also haben die Filme an sich, dass sie gleichwohl in anspruchsvollen Spielstätten zur Vorführung kommen? Diese Filme entfalten eine Ästhetik der Armut, die den Zuschauerinnen ein genaues Hinsehen auf die visuellen Zeichen, die überlegte Bildkomposition, den sparsam eingesetzten Ton, die nicht zwingende Verkettung von kaum vorwärts strebenden Aktionsbildern abverlangt.

Gerade weil keine Lebensfülle in diese Bilder hinein will, wird eine metaphysische Unbehaustheit in ihnen spürbar.

Michaela Ott

ist Professorin für Ästhetische Theorien an der HfbK Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind poststrukturalistische Philosophie, Ästhetik und Politik, Ästhetik des Films, Theorien des Raums, Theorien der Affekte und Affizierungen. Publikationen: Ästhetik und Politik, 2009; Affizierung. Zu einer ästhetisch-epistemischen Figur, 2010; Dividuationen. Theorien der Teilhabe, 2014.

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Ott, Michaela

A – Affizierung

Stimmungsatlas Bd. 18

Hg. Jan-Frederik Bandel, Nora Sdun, Gustav Mechlenburg

119 Seiten

12,00 Euro

Taschenbuch

Design: Christoph Steinegger

Maße: 16,5 x 11,5 cm

ISBN: 978-3-941613-94-2

Hamburg 2018


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